Grundlagen
Was ist Eisbaden?
Freiwillig ins kalte Wasser und dort ruhig bleiben. Was dabei im Körper passiert, wie ein Eisgang abläuft und woran du merkst, dass es genug ist.
Eisbaden heißt, freiwillig in kaltes Wasser zu gehen und dort ruhig zu bleiben. Nicht springen, nicht kämpfen, nicht die Zähne zusammenbeißen. Der ganze Punkt ist, dass du in einer Lage die Ruhe behältst, in der dein Körper sie eigentlich verliert.
Genau deshalb ist Eisbaden auch kein Mutbeweis. Wer sich hineinstürzt und nach zwanzig Sekunden prustend wieder heraussteigt, hat den Reiz gehabt, aber nichts geübt. Geübt wird das, was zwischen dem Schock und dem Aussteigen passiert.

Was im Wasser passiert
Sobald die Haut das kalte Wasser spürt, verengt der Körper die Gefäße in Armen und Beinen und zieht das Blut in die Körpermitte. Die Organe sollen warm bleiben, die Extremitäten sind zweitrangig. Gleichzeitig steigen Puls und Blutdruck, und die Nebenniere schüttet Noradrenalin aus.
Das alles läuft ohne dich ab. Du kannst es nicht abstellen und sollst es auch nicht. Was du beeinflussen kannst, ist deine Atmung, und über die kommst du an den Rest.
Der Kälteschock, und warum die Atmung zuerst kommt
Die ersten dreißig bis sechzig Sekunden sind die heikelsten. Der Körper antwortet auf den Kältereiz mit einem unwillkürlichen tiefen Einatmen und danach mit schneller, flacher Atmung. Dieser Kälteschock ist die eigentliche Gefahr am kalten Wasser, nicht die Temperatur selbst: Wer in diesem Moment mit dem Kopf unter Wasser ist, atmet Wasser ein.
Deshalb steht bei uns die Atmung vor dem Wasser. Wer weiß, wie sich der eigene Atem in dieser Minute anfühlt und wie er sich wieder beruhigen lässt, geht anders hinein. Nach ein paar Malen fällt die Reaktion deutlich milder aus. Das ist der Teil, der sich tatsächlich trainieren lässt.

Wie ein Eisgang bei uns abläuft
- Ankommen und einordnen: was heute passiert, was du lassen darfst, wer gerade nicht ins Wasser sollte.
- Atmung zuerst, an Land. Bis du sie im warmen Zustand sicher hast.
- Langsam hineingehen, nie springen. Schultern zuletzt, Kopf bleibt oben.
- Ruhig bleiben und ausatmen, solange der erste Reiz durchläuft.
- Ein bis drei Minuten, je nach Temperatur und Erfahrung. Nicht länger, nur weil es geht.
- Rausgehen, abtrocknen, anziehen und in Bewegung kommen. Von innen warm werden, nicht von außen.
Angeleitet wird das Ganze in kleinen Gruppen. Niemand geht allein ins Wasser, und niemand bleibt drin, weil die anderen noch drin sind.
Wie kalt ist kalt
Als Eisbaden gilt üblicherweise alles unter etwa fünf Grad Wassertemperatur. Der Salmsee liegt im Winter meist zwischen zwei und sechs Grad, im Frühjahr und Herbst deutlich darüber. Kalt genug für den vollen Reiz ist es lange vor dem Gefrierpunkt.
Die Zahl auf dem Thermometer sagt dabei weniger, als die meisten erwarten. Zwei Grad Unterschied merkt man kaum, Wind und Nässe an Land dagegen sehr. Der Weg zurück zum Auto ist oft unangenehmer als das Wasser.
Für wen es geeignet ist
Für gesunde Erwachsene, die freiwillig kommen. Fitness ist keine Voraussetzung, Vorerfahrung auch nicht. Die meisten, die zum ersten Mal dabei sind, halten sich für weniger kältetauglich, als sie sind.
Nicht geeignet ist Eisbaden bei Herz- und Kreislauferkrankungen, bei Bluthochdruck, in der Schwangerschaft, bei Epilepsie sowie unter Alkohol oder Drogen. Wenn du dir bei einer Vorerkrankung oder einem Medikament nicht sicher bist, kläre das vorher ärztlich ab. Das ist keine Formalität: Der Kältereiz belastet den Kreislauf spürbar, und wir können dir diese Einschätzung nicht abnehmen.
Was danach passiert, ist genauso wichtig wie das Wasser selbst. Die Regeln dazu stehen auf einer eigenen Seite, weil an dieser Stelle die meisten Fehler passieren.

